Sektorenübergreifende Zusammenarbeit – Vernetzte Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf 

Eine hohe medizinische Versorgungsqualität in der Pflege und die optimale Steuerung der dazu nötigen Ressourcen – diese Herausforderungen sind auch in Billstedt und Horn ein zentrales Thema.  

 

Eine enge Vernetzung aller an der Pflege beteiligten AkteurInnen ist für eine gute Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf elementar. Denn erst wenn sich Pflegekräfte, ÄrztInnen aus dem ambulanten Sektor und aus dem stationären Sektor intensiv austauschen, lassen sich realisierbare Ideen entwickeln, die an den Bedürfnissen und Möglichkeiten aller Beteiligten orientiert sind. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist einer der Kernpunkte des Programms „Pflege im Blick“ und wird in regelmäßigen Abständen den beteiligten Einrichtungen wiederholt. Die in Qualitätszirkeln erarbeiteten Projekte zeigen bereits konkrete Resultate. Mit inzwischen 12 angeschlossenen Pflegeeinrichtungen setzen wir bereits zahlreiche Interventionen um. 

Interdisziplinäre Visiten der Wunden und Diabeteseinstellungen im Pflegeheim

 

In vielen Pflegeheimen sind die Diagnostik und Behandlung von chronischen Wunden – beispielsweise infolge von Dekubitus oder Diabetischem Fuß-Syndrom – aufgrund personeller Engpässe oft nicht umsetzbar. Gleichzeitig fehlt es an Fachkräften zur speziellen Wundbehandlung. Das hat Folgen: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft spricht von rund 50.000 Amputationen pro Jahr mit erheblichen Kosten für die Behandlung der PatientInnen. Über eine Neuorganisation von ärztlichen Ressourcen, beispielsweise bei interdisziplinären Visite der Wunden und Diabeteseinstellungen durch einen DiabetologInnen, einem Allgemeinmediziner sowie eine Wund- und eine Ernährungsberaterin direkt vor Ort im Pflegeheim, lässt sich die Versorgungsqualität nach dem Vier-Augen-Prinzip deutlich verbessern. 

Unterstützung von Angehörigen 

Auch Angehörige brauchen Unterstützung. Neben den medizinischen Sachkenntnissen ist für diese Zielgruppe insbesondere die Beratung bei der Pflege-Organisation und der Bewältigung damit verbundener psychosozialer Herausforderungen essenziell. Da sich viele Angehörige mit der Pflege überfordert fühlen, bieten wir für diese Zielgruppe spezielle Kurse und Beratungen an. Dazu gehören neben Sprechstunden des Pflegestützpunktes Hamburg Mitte im Gesundheitskiosk beispielsweise die in Kooperation mit der Hamburger Angehörigenschule angebotenen Schulungen zu Themen wie Demenz, Palliativ-Pflege oder Schluckbeschwerden. 

Prävention  Grippeschutzimpfung

Nur knapp 33 Prozent der über 60-Jährigen in Hamburg lassen sich gegen Grippe impfen, in Billstedt und Horn sind es sogar noch weniger. Das wollen wir ändern und haben in den Jahren 2018, 2019 und 2020 Impfkampagnen gestartet, die bis in den März des Folgejahres hineinreichte. Mit Plakaten und Tresenaufstellern wurde in 25 Arztpraxen des Ärztenetzes, im Gesundheitskiosk, in den ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, sowie an „Senioren-Hot-Spots“ wie der Kantine Billstedt, in Kirchengemeinden und der AOK-Filiale in Billstedt geworben. In sechs SeniorInnenkreisen haben wir zusätzlich Kurzvorträge gehalten. Mit der Kampagne war ein Gewinnspiel verknüpft. Die Sensibilisierung für dieses Thema hat großen Zuspruch erfahren, die Zahl derjenigen, die sich haben impfen lassen, liefert die Evaluation im Frühjahr 2021.  

Schulungen für Pflegekräfte und Ärzte 

Das Pflegepersonal ist gut ausgebildet, benötigt aber dennoch regelmäßige Fortbildungen im medizinischen und pflegerischen Bereich, um in Bezug auf zum Beispiel Behandlungsmethoden immer auf dem neuesten Stand zu sein. In den Pflegeeinrichtungen bieten wir daher Schulungen zu den Arbeitsbereichen an, in denen wir in Qualitätszirkeln einen Bedarf identifiziert haben. Die Themen reichen von Ernährung bei Diabetes über Modernes Wundmanagement und Sturzprophylaxe bis hin zur Palliativpflege.