Unser Gesundheitssystem ist in seinen Strukturen nur schwer zu durchschauen. Wo und von wem bekommen Sie die Hilfe, die Sie benötigen? Wer sagt Ihnen, welche Medikamente überflüssig, welche Notwendig sind? Wann und wo kann ich mich impfen lassen? Was zahlt meine Krankenkasse für Vorsorge und Prävention? Wir im Gesundheitskiosk sind gut mit unseren ÄrztInnen vernetzt und lotsen Sie gemeinsam mit den sozialen Gesundheitseinrichtungen im Stadtteil durch den Dschungel.

· Wir erfassen gemeinsam mit Ihnen alle von Ihnen eingenommenen (verordnete und nicht verordnete) Arzneimittel in einer Liste und übermitteln diese zur weiteren Bearbeitung und Besprechung durch Ihren Arzt/Ärztin.

· Wir unterstützen Sie bei der Suche von Haus-/ und FachärztInnen und bei Terminverabredungen mit den ÄrztInnen. In begründeten Fällen kümmern wir uns um einen bevorzugten Termin bei Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.

· Wir sorgen für Verständlichkeit, indem wir mit Ihnen gemeinsam nach Ihrem Arztbesuch die Diagnose, Ihre Symptome, die verordnete Therapie und die Nachsorge ausführlich besprechen. Wir möchten, dass Sie Ihre Krankheit verstehen und dann auch selbst aktiv werden können.

· Wir sprechen in regelmäßigen Abständen mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin über Ihren aktuellen Gesundheitszustand und stimmen uns eng mit Ihrem Arzt den MedizinerInnen darüber ab, was Sie von uns im Gesundheitskiosk an Beratung und Begleitung bekommen können.

· Wir klären Sie über die die Funktionsweise des deutschen Gesundheitssystems und den Leistungsansprüchen, die Sie haben, auf.

· Wir beraten Sie, wenn Sie aus anderen Kulturkreisen kommen, in Ihrer Muttersprache über Impfung, Vorsorge, Arzneimitteleinnahme, und darüber, was Sie selbst für Ihre eigene Gesundheit tun können.

· Wir helfen Ihnen bei der Beantragung von Folgebehandlungen wie zum Beispiel Rehamaßnahmen, Kuren, oder auch Rentenanträgen einschließlich der Aufbereitung und Organisation der Unterlagen und Daten, die für die Folgebehandlung notwendig sind.

· Wir vermitteln Sie bei Bedarf in die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen der Gesundheitsförderung, mit Kinder-Tages Einrichtungen, Schulen, Senioreneinrichtungen, Stadtteilvereinen.

· Bei uns erhalten Sie ausführliche Informationen über Grippeimpfungen, besonders wenn Sie älter als 60 Jahre sind.

Gut versorgt im Ärztenetz

Mehr als acht Jahre dauert der Schmerz im Handgelenk nun schon. Ines Fuhrmann kann das gar nicht gebrauchen, sie leitet als Altenpflegerin ein Team in der Stiftung Rauhes Haus. Und muss naturgemäß schwer heben. Anfang dieses Jahres wird der Schmerz unerträglich, die 55jährige wird von ihrer Hausärztin krankgeschrieben. Diagnose: Monathritis, eine auf ein einziges Gelenk beschränkte Entzündung als Folge ihres 31 Jahre dauernden sehr anstrengenden Berufslebens.

Andrea Schildt-Stadtmüller ist die Hausärztin von Ines Fuhrmann. „Sie ist mein absoluter ärztlicher Mittelpunkt“, sagt die Altenpflegerin. „Ich habe schon bei ihr gesessen und geweint. Sie ist einfach immer für mich da.“ Das kostet Zeit, die Ärzte in der Regel nicht haben, schon gar nicht in Billstedt und Horn. Die Praxen hier sind überlaufen, es gibt einfach zu wenig Ärzte für zu viele Menschen. Gleichzeitig aber wächst seit gut einem Jahr ein Projekt im Osten Hamburgs, das diese für Ärzte und Patienten gleichermaßen unerträgliche Situation positiv kontert: Das „Ärztenetz Billstedt/Horn e.V.“. „Bisher haben sich die Patienten im medizinischen Netz zu oft verloren. Der eine Arzt wusste nichts von dem anderen, es kam zu Übermedikationen, die Wartezeiten bei Fachärzten waren zu lang“, sagt Andrea Schildt-Stadtmüller. „Jetzt können wir Hausärzte zum Beispiel einen medizinischen Pfad erstellen, der eine ganz klare Diagnose- und Therapiestruktur aufweist und eine zeitnahe Behandlung durch Fachärzte ermöglicht.“

Ines Fuhrmann hat es erlebt. Und ist begeistert. „Ich war im März bei Frau Doktor, und da hat sie die Maschinerie sofort in Gang gebracht.“ Die Maschinerie: Die Hausärztin überweist Ines Fuhrmann an den Orthopäden Gerd Fass, ebenfalls Mitglied im Ärztenetz. Seine Diagnose: die Entzündung kann nur noch durch die Entfernung der befallenen Knochen behandelt werden. Gerd Fass überweist die Altenpflegerin zu einem speziellen Handchirurgen, der sie operiert. Durch die Vernetzung der Ärzte sind alle beteiligten Mediziner immer auf dem aktuellen Behandlungsstand, das spart viel Zeit. „Wir müssen nicht mehr mühsam hinter wichtigen Informationen herlaufen, und die Patienten sind gut vorbereitet“, sagt Gerd Fass.

Das Ärztenetz ist Teil des Projektes „Gesundheit für Billstedt/Horn“. Mittlerweile sind knapp die Hälfte der Ärzte in den zwei Stadtteilen im Netzwerk organisiert. Für Andrea Schildt-Stadtmüller ein großer Schritt in eine bessere Versorgung: „Dadurch bekämpfen wir die ungeheure Verschwendung von medizinischen Ressourcen.“

Ines Fuhrmann ist inzwischen operiert, muss für mehrere Wochen eine Schiene tragen. „Und dann hoffe ich, dass ich wieder arbeiten kann. Das bedeutet mir sehr viel.“