Ambulant vor stationär – Ärztenetz sucht nach neuen Lösungsansätzen

Viele Patienten müssen mit Ihren Erkrankungen ins Krankenhaus, aber wäre das möglicherweise vermeidbar gewesen? In vielen Fällen ja, meinen die Teilnehmer bei der Fokusgruppe „Ambulant sensitive Krankenhausfälle (ASK) in Billstedt/Horn“: Komplikationen bei Diabetischem Fußsyndrom, dekompensierte Herzinsuffizienz oder exazerbierte COPD sind nur drei Indikationen, bei denen eine effektiver gesteuerte ambulante Versorgung und präventive Angebote helfen könnten, Einweisungen zu verhindern.

Beim interdisziplinären Austausch am 22. August diskutierten 16 Mediziner zusammen mit Professorin Eva Oppel vom Hamburg Center for Health Economics (hche), das die wissenschaftliche Begleitung und Auswertung des Projektes übernommen hat, sektorübergreifende und auf den Stadtteil zugeschnittene Lösungsansätze. Die Ergebnisse der Fokusgruppe fließen anonym in die wissenschaftliche Evaluation ein. Wir haben bei zwei Teilnehmerinnen noch einmal genauer nachgefragt.

Ursachen sind vielschichtig

Volle Arztpraxen sind eines der strukturellen Probleme, die Krankenhauseinweisungen begünstigen. „Viele Facharztrichtungen sind im Stadtteil stark unterbesetzt. Patienten mit diffusen Beschwerden müssen oft lange auf einen Abklärungstermin warten“, berichtet Dr. Cina Said, Allgemeinärztin. Hier könnte ein Dringlichkeitsmodell Abhilfe schaffen.

“Wenn auf der Überweisung die Dringlichkeit vermerkt wäre – beispielweise in drei Kategorien – könnten Fachärzte die Termine bedarfsgerechter verteilen”, so Said. Das könnte auch die Notaufnahmen entlasten, denn viele Patienten gehen auf eigene Initiative ins Krankenhaus, um dort sofort untersucht zu werden.

Ein weiteres Problem: Oft sagen die Patienten bei Besserung Termine beim Facharzt nicht frühzeitig ab und verursachen so Leerlauf in den Praxen. Hier setzt auch die Aufklärung im Gesundheitskiosk zu einem besseren Selbstmanagement an.

Soziale und patientenbezogene Problemfelder

Auch beim Erkrankten selbst und in seinem sozialen Umfeld liegen viele Ursachen: Viele Patienten setzen die Empfehlungen ihrer Ärzte nicht konsequent um, da sie nur ein geringes Gesundheitswissen haben, so dass es zu Eskalationen kommt. „Durch Schulungen und eine frühzeitige und regelmäßige Anbindung an Selbsthilfegruppen könnten Patienten ihre Erkrankung besser verstehen und dem Fortschreiten selbst entgegenwirken”, so Dr. Sarah Lenga, Fachärztin für Kardiologie. “Auch so ließen sich Krankenhausaufenthalte vermeiden oder zumindest aufschieben.” Hier setzt der Gesundheitskiosk an mit seinen Gruppenangeboten wie der Herzsportgruppe oder den Kursen zur Raucherentwöhnung sowie kontinuierlicher Beratung für chronisch Kranke.

Möglichkeiten im Stadtteil nutzen

Wenn ein Klinikaufenthalt unvermeidbar ist, bietet die Stadtteilklinik in Mümmelmannsberg die Möglichkeit der kurzstationären Aufnahme. Das ist vor allem für ältere, körperlich schwache, allein oder in Pflegeheimen lebendende Menschen sowie Patienten mit Sprachproblemen eine wohnortnahe Alternative zu den großen und teureren Akuthäusern. Versorgungskoordinatoren, die Hausbesuche übernehmen, könnten ebenfalls ein gutes Modell darstellen.

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